Du hast dir ein teures Paar Bluetooth-Kopfhörer gekauft und fragst dich jetzt: „Kann ich damit DJing machen?" Früher, als die Technologie noch nicht so weit war, war es selbstverständlich, dass DJs Kopfhörer mit Kabel benutzen mussten. Schließlich – welche andere Option gab es denn?
Heute ist das anders. Mit Bluetooth und kabellosen Geräten können viele früher nur mit Kabel verbundene Geräte jetzt frei bis zu mehreren Metern vom Quellgerät entfernt verwendet werden – ohne Angst vor Stolperfallen oder versehentlich gerissenen Kabeln. Angesichts der hektischen Natur des DJing macht es also absolut Sinn, dass DJs gerne kabellose Kopfhörer beim Auflegen nutzen würden. Eine perfekte Kombination, oder?
Warum verwenden dann DJs noch immer hauptsächlich Kopfhörer mit Kabel? Obwohl Bluetooth bei der alltäglichen Musikwiedergabe längst Standard geworden ist, gelten Bluetooth-Kopfhörer in der DJ-Community fast als Tabu – besonders bei erfahrenen und etablierten DJs.
Was ist denn das Problem? In diesem Überblick schauen wir uns an, warum DJs generell keine Bluetooth-Kopfhörer verwenden. Wir besprechen auch, ob es überhaupt möglich und sinnvoll ist, Bluetooth-Kopfhörer zum DJing zu nutzen und welche Gründe dafür oder dagegen sprechen.
Kann ich mit Bluetooth-Kopfhörern DJing machen? Ist das überhaupt möglich?
Technisch gesehen? Ja. In der Realität? Keine Chance.
Obwohl es technisch möglich ist, mit Bluetooth-Kopfhörern zu DJen, gibt es so viele Nachteile, dass es im besten Fall unglaublich schwierig und im schlimmsten Fall praktisch unmöglich ist. Probleme wie Akkulebensdauer, Latenzprobleme oder die Tatsache, dass du keinen DJ-Controller verwenden kannst (da diese selten kabellos funktionieren), machen Bluetooth-DJing zu einer absolut untragbaren Option.
Warum sind Bluetooth-Kopfhörer beim DJing problematisch?
Wie erwähnt, gibt es unzählige Gründe, warum Bluetooth-Kopfhörer beim DJing weit mehr Ärger als Nutzen bringen. Hier sind einige der wichtigsten Gründe, warum du besser bei kabelgebundenen Kopfhörern bleibst – unabhängig vom Risiko, über das Kabel zu stolpern.
Grund #1: Begrenzte Kompatibilität mit DJ-Controllern
Bevor wir auf die anderen Gründe eingehen, müssen wir den Elefanten im Raum ansprechen: Bluetooth-Kopfhörer können sich nativ nicht mit DJ-Controllern verbinden. Das liegt daran, dass die allermeisten Controller (mit seltenen Ausnahmen) nicht mit kabellosen Bluetooth-Sendern ausgestattet sind. Das bedeutet, dass du deine Kopfhörer in den meisten Fällen buchstäblich gar nicht verwenden kannst.
Es gibt Umgehungslösungen (auf die wir später eingehen), aber die Tatsache bleibt: Von Anfang an wirst du wahrscheinlich gar nicht in der Lage sein, Bluetooth-Kopfhörer zu nutzen.
Deinen DJ-Controller für Bluetooth aufrüsten
Es gibt weitere sehr gewichtige Gründe, warum Bluetooth-Kopfhörer deine Zeit nicht wert sind. Allerdings gibt es eine Möglichkeit, um das sonst unmögliche erste Verbindungsproblem zu umgehen.
Dazu musst du deinen Controller mit einem Bluetooth-Empfänger ausrüsten. Diese Geräte fungieren als Vermittler zwischen deinem Controller und den Bluetooth-Kopfhörern und ermöglichen es dir, sie funktional zu verbinden.
Beachte, dass dies nur die Kopfhörer mit dem Controller verbindet. Du musst dich immer noch mit den anderen drängenden Problemen auseinandersetzen, die sich aus der Verwendung eines Bluetooth-Headsets ergeben.
Grund #2: Latenzprobleme
Es gibt einen ZWEITEN Elefanten im Raum, und er ist genauso groß wie der erste. Nehmen wir an, du hast es geschafft, deinen Controller mit deinen Bluetooth-Kopfhörern zu verbinden. Auch dann hilft dir das nicht viel bei einem der größten Probleme beim DJing mit Bluetooth-Kopfhörern – Audio-Latenz.
Bei den meisten Bluetooth-Kopfhörern liegt die durchschnittliche Latenz bei etwa 150 Millisekunden. Während diese Latenz im alltäglichen Gebrauch kaum spürbar ist, kann sie beim DJing – wo extreme Präzision erforderlich ist (besonders beim Beatmatching) – verheerend sein.
Du glaubst mir nicht? Hier ist ein anschauliches Beispiel, das zeigt, wie gravierend diese 150 Millisekunden sein können:
Nehmen wir an, du matchest zwei Songs bei 120 Beats Per Minute (BPM) – ein ziemlich durchschnittliches Tempo. Bei diesem Tempo hast du alle 500 Millisekunden einen Beat.
Plötzlich sind 150 Millisekunden gar nicht mehr unmerklich – sie machen etwa ein Drittel der Zeit zwischen zwei Beats aus. Das ist mehr als genug, um dein Beatmatching nach Gehör völlig zu ruinieren, da du nur mit zwei Dritteln der verfügbaren Zeit pro Beat arbeiten kannst.
Das berücksichtigt nicht mal, was passiert, wenn du mit dem Fader spielst oder die Tracks durcheinander mischt. Kurz gesagt: Da du faktisch 150ms versetzt arbeitest, wird das Timing völlig daneben gehen – und das Ergebnis klingt einfach nicht gut, egal unter welchen Umständen.
Grund #3: Akkulaufzeit
Zum Abschluss – nicht ganz so unmittelbar verheerend wie Latenzprobleme oder mangelnde Controller-Kompatibilität, aber trotzdem ein großes Problem – ist die Tatsache, dass Bluetooth-Kopfhörer buchstäblich gegen die Uhr arbeiten.
Selbst wenn wir großzügig sind und ein hochwertiges Bluetooth-Headset mit 30 Stunden Akkulaufzeit annehmen: Es braucht nur eine Situation, in der du deine Kopfhörer vergisst zu laden (oder nicht vollständig zu laden), und schon sitzt du in der Booth mit toten Kopfhörern auf deinen Ohren und siehst dich um.
Das wird dir nicht nur zukünftige Gigs in diesem Venue kosten, sondern wenn das öfter passiert, kannst du dir auch den Ruf eines unzuverlässigen DJs aufbauen – etwas, das dich schnell bei neuen Venues unbeliebt macht und auch dein Image in der Öffentlichkeit beschädigt.
Mit Bluetooth-Kopfhörern DJen: Fazit
Letztendlich sind Bluetooth-Kopfhörer technisch gesehen eine Option zum DJing, aber du musst dich einfach durch zu viele unüberwindbare Hürden kämpfen – ohne echten Vorteil. Der einzige Pluspunkt gegenüber Kopfhörern mit Kabel ist, dass du dich nicht in der Kabelrolle verwickelst – was absolut irrelevant ist, wenn man bedenkt, dass DJ-Kopfhörer ein komplett abnehmbares Kabel haben.
Nicht nur sind Bluetooth-Kopfhörer unglaublich schwierig zu verwenden, sondern am Ende des Tages lohnt sich der Aufwand einfach nicht. Du fährst viel besser damit, in ein solides Paar DJ-Kopfhörer zu investieren und beim Laufen einfach etwas vorsichtiger mit dem Kabel zu sein.
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